Gelesen | Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Der Marsianer von Andy Weir

Titel: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Autor: Andy Weir
Genre: Science-Fiction

Verlag: Heyne
Seitenzahl: 508

Übersetzung: Jürgen Langowski
Ausgelesen: 20. Dezember 2018

Leseempfehlung? Ja

** Diese Rezension enthält Spoiler **

 

Klappentext

Ein Mann. Allein. Auf dem Mars.
Bringt ihn zurück!
Bei einer Expedition auf dem Mars gerät der Astronaut Mark Watney in einen Sandsturm und wird bewusstlos. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Crew. Die spektakulärste Rettungsmission um das Überleben eines einzelnen Menschen beginnt…

 

Meine Meinung

Man bekommt genau das, was der Klappentext verspricht. Es beginnt damit, dass Mark alleine auf dem Mars hockt und seine Geschichte erzählt. Und er erzählt sie wirklich, in Form von Logbucheinträgen bekommen die Leser*innen nach und nach mit, wie es dazu kam, dass seine Crew ohne ihn los geflogen ist und wieso sie in erster Linie verfrüht die Mission abbrechen mussten. Gleichzeitig wird nach einigen Kapiteln (bzw. Logbucheinträgen) die Situation auf der Erde geschildert, wo Marks Vorgesetzten nach und nach klar wird, dass Mark noch lebt und nun versuchen muss, alleine auf dem Mars zu überleben. Dahingehend spinnt sich dann die Rettungsmission, mit sehr viel Hin und Her und noch mehr Auf und Ab, weil es immer wieder zu Lösungsversuchen kommt, die allerdings mitunter nicht realisierbar sind oder schlichtweg misslingen.

Mir gefiel die Idee sehr gut, von Anfang an. Alleine, gestrandet, ums Überleben kämpfen – es mag etwas gemein klingen, aber ich lese es unglaublich gerne, wenn Figuren irgendwie schwierige Situationen überstehen müssen. Die Spannung, die dabei aufgebaut wurde, war zwar existent aber nicht völlig nervenaufreibend. Tatsächlich ist das Buch sehr humoristisch geschrieben – soweit ich das gehört habe, soll der Film teilweise auch eine gewisse Komik beinhalten. Zu Beginn des Buches war ich etwas verwirrt, ob Marks Witzeleien und konnte das nicht recht einordnen. Aber lässt man sich darauf ein, dann gewöhnt man sich auch sehr bald daran. Das hat mir tatsächlich eigentlich sehr gut gefallen. Nachdem Paradox mein erstes Science-Fiction Buch war, hatte ich schon einen kleinen Vorgeschmack, dass (scheinbar) der Schreibstil im Sci-Fi Genre teils sehr anders zu dem sein kann, was ich bisher aus Fantasy und Young Adult kenne. Es ist sehr viel knapper geschrieben und kommt ohne viele Ausschmückungen daher, dazu kommt dann Marks Humor, an den man sich erst gewöhnen muss. Lesetechnisch war es für mich also mal wieder das berüchtigte „den großen Zeh in ein anderes Gewässer tunken“ – oder so. Allerdings finde ich im Nachhinein, dass Andy Weir hier mit Mark Watney einen sehr coolen, mal etwas anderen, Protagonisten entwickelt hat. Er ist eben kein stoischer, ernster Wissenschaftler, der für alles eine Lösung parat hat. Vielmehr flucht Mark des Öfteren, versucht die Aussichtslosigkeit seiner Lage irgendwie positiv und mit Humor zu sehen, um nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Ihm misslingen gerne mal Sachen und er ist teils etwas zerstreut, sodass er beispielsweise die Wohnkuppel aus Versehen in eine Bombe verwandelt und erst einmal ein paar Tage im Rover ausharren muss, bis ihm etwas einfällt, um sicher in die Wohnkuppel zurückzukehren.

Was uns zum nächsten Punkt bringt: Weirs Beschreibung von Wissenschaft. Ich fand es so unglaublich spannend, wie gut und verständlich manche Dinge beschrieben waren. Man konnte Marks Gedankengängen wirklich gut folgen – auch wenn ich ein oder zwei Stellen mehrmals lesen musste. Wer sich also für den Weltraum und die Wissenschaft dahinter interessiert und ein paar Grundkenntnisse aus dem Bio- und Chemie-Unterricht nochmal auffrischen möchte, kann hier beim Lesen definitiv noch etwas Neues lernen.

Auch die anderen Figuren auf der Erde waren sehr unterschiedlich und vielfältig, was mich sehr gefreut hat. Wobei ich die Pressesprecherin irgendwie… noch gewöhnungsbedürftiger fand als Mark. Sie flucht teilweise sehr viel und ausfallend und hat eine sehr schnoddrige Art, was mir nicht immer gefallen hat. Andererseits ist sie recht sarkastisch und bringt die Dinge mal auf den Punkt, was viele andere nicht tun.

Ich bin noch immer etwas zwiegespalten, was das Ende angeht. Einerseits war es super spannend geschrieben und ich habe wirklich so so so sehr mitgefiebert und war teilweise den Tränen nahe. Die Rettung war recht emotional und selbst beim Lesen anstrengend. Andererseits fand ich das Ende sehr abrupt? Mark wird gerettet, die Crew freut sich, der Arzt checkt ihn erst mal durch, weil Mark sich scheinbar was gebrochen hat. Punkt. Das war’s. Dafür, dass die letzten Kapitel und die ganze Situation auf der Erde doch sehr spannend wurde zum Ende hin, kam das Ende sehr schnell. Wie gesagt, ich bin etwas zwiegespalten, da ich mir noch ein bisschen Abrundung gewünscht hätte, allerdings ist es eben so, dass man das bekommt, was angeteasert wird: die Rettung von Mark Watney. Er ist gerettet, er wird sicher mit der Crew auf die Erde zurückkehren. Um mehr ging es eigentlich nicht, daher ist es aus dieser Perspektive wieder recht passend, dass das Buch damit endete, dass Mark von seiner Crew auf die Hermes geholt wird.

Fazit

Nun, was soll ich sagen? Mir hat das Buch wirklich super gefallen, auch wenn ich mich etwas davor gedrückt habe, es zu lesen. Es wurde sehr gehyped, es gab eine Verfilmung. Dass ich es vergleichsweise „so spät“ gelesen habe, wurmte mich etwas, auch wenn ich nicht sagen kann, wieso.

Nichtsdestotrotz mochte ich es sehr sehr gerne und Der Marsianer ist definitiv eines der Bücher, die ich immer wieder lesen kann und werde. Es gab ein paar kleine, wirklich kleine, Punkte, die mich etwas gestört haben. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Blogeintrag.

Wer also das Buch noch nicht kennt und – wie ich – immer mal wieder darum herumgeschlichen ist und wer auf Science-Fiction steht und dabei auch gerne das ein oder andere lernen möchte, dem*der kann ich das Buch nur empfehlen.

Gelesen | Die Auserwählten im Labyrinth – James

Die Auserwählten im Labyrinth Cover


Titel
: Die Auserwählten im Labyrinth
(das Buch bei Carlsen)

Autor: James Dashner
Genre: Dystopie, Jugendbuch

Reihe: Die Auserwählten / Maze Runner #1
Verlag: Carlsen
Seitenzahl: 490

Übersetzung
: Anke Caroline Burger
Ausgelesen
: 21.02.2018

Leseempfehlung
? Ja


**Achtung! Diese Rezension enthält Spoiler!**

 

Klappentext

„Alles, was wir tun“, flüsterte Newt, die Augen wie in Trance aufgerissen, „unser ganzes schönes Leben, Frischling, dreht sich um dieses Labyrinth.“

Er heißt Thomas. An mehr kann er sich nicht erinnern. Und er ist an einem seltsamen Ort gelandet – einer Lichtung, umgeben von einem riesigen Labyrinth, in dem mörderische Kreaturen lauern. Nun liegt es an ihm und den anderen Überlebenden, einen Weg in die Freiheit zu finden. Doch die Zeit drängt und nicht alle werden es schaffen…

https://www.carlsen.de/


Meine Meinung

Idee
Es ist genau das, was man vom Klappentext erfährt: eine Lichtung, ein Labyrinth und Monster. Jeden Monat kommt ein neuer Junge auf der Lichtung an und kann sich nicht an sein früheres Leben erinnern. Sie nennen sich selbst die Lichter – weil sie auf der Lichtung leben – und versuchen seit zwei Jahren aus dem Labyrinth zu entkommen. Die Läufer – eine Gruppe von Jungen – rennen jeden Tag bei Morgengrauen in das Labyrinth hinaus und kommen zurück kurz bevor sich die Tore schließen, welche Lichtung und Labyrinth voneinander trennen. Die restlichen Lichter sind verantwortlich für das Leben auf der Lichtung, indem sie sich um die Versorgung und alles, was sonst noch anfällt, kümmern.

Generell gefällt mir die Idee sehr gut, ich mag dystopische Geschichten. Hoffnungslosigkeit und Tapferkeit sind klasse gemischt und man kann mit den Lichtern mitfühlen, wie sie seit Jahren versuchen, einen Ausweg zu finden und gleichzeitig immer wieder beteuern, dass ihr Leben eigentlich ganz gut ist. Sie haben immer gutes Wetter, können sich selbst versorgen mit Ackerbau und Viehzucht. Alles, was sie brauchen bekommen sie von den sogenannten Schöpfern. Dennoch sind sie prinzipiell Gefangene, die wie Laborratten durch ein sprichwörtliches Labyrinth gejagt werden.

Figuren
Natürlich ist Thomas der Protagonist, man wird mit ihm zusammen auf die Lichtung geworfen und muss sich erst einmal orientieren. Ziemlich schnell erfährt man dann nach und nach mehr über die Nebenfiguren. Chuck wächst nicht nur Thomas nach und nach ans Herz, auch der Leser gewinnt diesen kleinen, dicklichen Jungen lieb, der zu viel redet und scheinbar nichts kann.

Mir persönlich hat Newt am besten gefallen, er ist ruhig, überlegt und einer der erwachseneren Jugendlichen. Ein selbsternannter Anführer über die Lichter darf natürlich auch nicht fehlen und wird von Alby ziemlich gut repräsentiert. Ein dunkelhäutiger Junge, der schnell aufbraust und ziemlich herrisch wirkt.

Minho ist neben Newt meine zweitliebste Figur aus dem ersten Band. Er ist der Hüter der Läufer, überlebt mit Thomas eine Nacht im Labyrinth und verteidigt ihn anschließend, als die anderen Lichter ihn für diesen Regelbruch bestrafen wollen und wird ihm ein guter Freund.

Die letzte Nebenfigur kann ich leider überhaupt nicht leiden. Einen Tag, nachdem Thomas auf der Lichtung gelandet ist, wird ein weiterer Jugendlicher zu ihnen geschickt: ein Mädchen namen Teresa. Ich kann leider überhaupt nicht nachvollziehen, wieso James Dashner sie eingebracht hat. Sie ist vollkommen unnötig. Sie taucht auf und ist die Hälfte der Zeit ohnmächtig und die andere Hälfte der Zeit bandelt sie mit Thomas an. Ja gut, die beiden haben telepathische Kräfte. Das ist relativ cool. Aber ansonsten ist sie unnötig und ihre einzige Existenzberechtigung ist, dass sie als Love Interest für Thomas dient.

Das ist leider genau das, was ich nicht lesen möchte. Sie löst „das Ende“ aus und das ist auch in Ordnung so, aber das hätte genauso gut ein weiterer Junge sein können. Oder wenn Dashner gerne das Oh mein Gott Moment auskosten wollte, weil es kein weiterer Junge war, der zur Lichtung kam und die Tatsache, dass es nur einen Tag (statt eines ganzen Monats) dauerte, bis ein weiterer Jugendlicher zur Lichtung geschickt wurde einfach storytechnisch für ihn zu wichtig war, dann hätte er auch ein Kind nehmen können. Im Schnitt sind die Jungs alle zwischen zwölf und 17 Jahre alt – wenn einen Tag nach Thomas ein achtjähriges Kind auf die Lichtung geschickt worden wäre, wäre das Erstaunen bei den Lichtern  (und beim Leser!) genau so groß gewesen.

Aber nein, es wurde ein Mädchen im passenden Alter, Thomas fühlt sich zu ihr hingezogen, obwohl er das nicht erklären kann und es wird dann im Endeffekt auch angedeutet, dass die beiden vor der Lichtung ein Paar gewesen sind. Wenn Teresa jetzt wenigstens irgendwie cool wäre und wichtig und sich in die Story eingliedern würde, dann könnte ich das ja vielleicht ignorieren. Aber das tut sie nicht und soweit ich das erfahren habe, ändert sich das im zweiten Teil auch nicht sonderlich. Das finde ich einfach unglaublich schade. Wozu ist sie da?

Umsetzung
So, abgesehen von meinem Missfallen Teresa gegenüber muss ich sagen, dass die Umsetzung ansonsten echt gut ist. Wie schon angedeutet mag ich die Dynamik sehr gerne, weil neben dem, was Thomas und somit der Leser direkt erlebt eben auch immer wieder Einblicke in das alltägliche Leben auf der Lichtung gegeben wird – als Soziologiestudent ist das wirklich spannend. 😀 Gleichzeitig kommen die anderen Figuren aber gut zur Geltung und es ist ein Miteinander. Ich konnte mich in fast allen Situationen gut einfühlen und konnte mitfiebern.

Leider war der deutsche Schreibstil etwas plump, wo ich dann teilweise beim Lesen innerlich die Nase kraus gezogen habe. Ich vermute allerdings, dass es an der Übersetzung liegt, da der englische original Band eben ein Jugendbuch ist und dementsprechend locker geschrieben ist. Da kann die deutsche Übersetzung natürlich ebenfalls nur etwas leichter und simpler sein. Das ist einfach Geschmackssache, reißt für mich das Buch auch nicht komplett herunter. Ich merke nur einfach langsam, wie ich einen erwachseneren Schreibstil bevorzuge.

Das Ende
Der Anfang vom Ende war sehr nice, ich mochte die Dynamik dabei sehr. Es hat mich sehr gerührt, wie die anderen Jungs sich für Thomas‘ Vorhaben eingesetzt und ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Das hat Dashner unglaublich toll wiedergegeben und ich hatte im Zug fast Schwierigkeiten, die Tränen wegzublinzeln.
Das Ende vom Ende hätte aber besser sein können, da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Dafür, dass es vorher so emotional wurde, war es danach dann doch etwas nüchtern. Vielleicht soll aber genau das Thomas‘ Taubheit widerspiegeln, nachdem Chuck für ihn gestorben ist.
Es macht auf jeden Fall Lust auf mehr und vor allem dieser Testbericht am Ende war extrem cool, ich dachte mir schon fast, dass diese Frau nicht ganz in Ordnung ist und mit solch einem Epilog abzuschließen war ziemlich nice.


Fazit

Alles in allem war Die Auserwählten im Labyrinth sehr solide und hat echt Spaß gemacht. Ich musste mich nicht zwingen, weiter zu lesen – trotz Teresa – und musste mich etwas bremsen, um während meines Aufenthaltes in Flensburg nicht zu schnell zu lesen. Ich wollte auf der Rückfahrt ja auch noch etwas zu lesen haben. Es war echt in Ordnung, bekommt aber leider trotzdem nur vier von fünf Sternen von mir, weil mir schlicht und ergreifend etwas Salz an der Suppe gefehlt hat. Es war gut, ist empfehlenswert und hat mich bewegt. Aber nicht so dermaßen vom Hocker gerissen. Die Figuren gefallen wir im Großen und Ganzen und ich bin gespannt, wie sie sich in den weiteren Bänden entwickeln. Denn eine Entwicklung hat es schon jetzt gegeben, vor allem bei Chuck und Alby – beide tot. Hmm… Zufall? 😀

Um noch einmal kurz auf Teresa und die telepathische Verbindung von ihr und Thomas zurück zu kommen: Ja, das ist ziemlich cool. Aber leider ist auch hier Potenzial verschwendet worden. Die beiden halten es bis zu einem bestimmten Punkt geheim. Anstatt, dass Dashner diese Möglichkeit der Kommunikation der beiden nutzt, damit Teresa Thomas auf dem Laufenden halten kann, was auf der Lichtung passiert, während er mit Minho das Labyrinth und das Griewerloch untersucht – passiert nichts dergleichen. Es ist völlig unnötig, dass die beiden so miteinander reden können, denn es bringt die Story nicht vorwärts. Ob sie sich in ihren Köpfen unterhalten oder ihre Gedanken aussprechen ist für den Storyverlauf im ersten Band vollkommen irrelevant gewesen. Es ärgert mich leider etwas, dass eine einzige Figur so viel kaputt machen kann. Das ist leider einfach schade.

Wertung:  4 / 5

P.S.: Kann mir bitte jemand von euch sagen, dass er Newt und Alby auch dezent geshippt hat beim Lesen?

 

Gelesen | Paradox – Phillip P. Peterson

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Titel: Paradox
Autor: Phillip P. Peterson
Genre: Science-Fiction

Reihe: Paradox #1
Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 473

Ausgelesen: 12. Februar 2018

Leseempfehlung?  Ja

Klappentext

Eine Reise zu den Sternen – Erfüllung eines Menschheitstraums oder Albtraum der Menschheit?

Ed Walkers letzte Mission endete beinahe in einer Katastrophe. Zwar konnte er sich und seine Crew retten, doch nun fürchtet er, als der Astronaut in die Geschichte einzugehen, unter dessen Kommando die Internationale Raumstation ISS zerstört wurde. Daher kann er sein Glück kaum fassen, als er die erste bemannte Weltraummission an den Rand des Sonnensystems anführen soll.

Mit an Bord ist auch der junge Wissenschaftler David Holmes, der das mysteriöse Verschwinden dreier Raumsonden untersucht. Doch als das Raumschiff den interstellaren Raum erreicht, lautet die wichtigste Frage der Menschheit nicht mehr: Sind wir allein im Universum? Sondern: Sind wir bereit für die Wahrheit?

Meine Meinung

Idee
Nachdem drei Raumsonden in exakt derselben Entfernung zur Erde plötzlich verschwinden soll eine Expedition an den Rand des bekannten Sonnensystems gestartet werden, um dieses Phänomen zu untersuchen. Die Helios ist ein neues Raumschiff der NASA und der Firma Centauri, diese hat den Antimaterie-Antrieb der Helios beigesteuert.  Der Start des Raumschiffs ist für die Öffentlichkeit lediglich ein Testflug.
Gleichzeitig spitzt sich die Situation auf der Erde immer weiter zu, da sich Amerika und China in Afrika einen nicht mehr ganz so Kalten Krieg liefern und jeweils mit dem Einsatz von Atombomben drohen.

Figuren
Die Figuren sind bei Paradox recht bunt gemischt, was mir gut gefallen hat. Die beiden Hauptfiguren David und Ed hätten unterschiedlicher nicht sein können. David, ein junger Wissenschaftler, der völlig unerfahren ist, was Reisen ins Weltall angehen und auf der anderen Seite Ed als Astronauten mit einer cholerischen Ader und schnodderigen, teils sarkastischen und zynischen, Kommentaren.
Die beiden werden auf der Reise an den Rand des Sonnensystems begleitet von Grace, der Ingenieurin der Helios. Sie intrigiert ein wenig und ist besonders im letzten Drittel ziemlich zickig. Wendy komplettiert das Team als Biologin; sie ist herzenswarm, hat einen kritischen Blick auf das, was die Menschen so tun und was sie auszeichnen und bringt mehr Emotionen rein, als die anderen drei Figuren zusammen.

Umsetzung
Die Umsetzung empfand ich als sehr solide. Zwar hatte ich eine Unterbrechung beim Lesen von mehreren Monaten, aber ich kam danach gut wieder rein. Der erste Teil ist recht langatmig und zieht sich etwas. Man wird langsam in die Figuren eingeführt und erfährt die Hintergründe von David und Ed; insbesondere dadurch, dass sich die Perspektive innerhalb der Kapitel zwischen den beiden abwechselt. Das fand ich ziemlich nett, da man dadurch bessere Einsichten in Eds Gedanken bekommt und er etwas nachvollziehbarer und (zumindest mir) sympathischer wird.
Im Vordergrund stehen die Vorbereitungen auf die Fahrt ins Weltall, die besonders für David teils sehr nervenaufreibend sind, da er eben kein Astronaut ist. Somit wird man selbst – quasi mit David zusammen – beim Lesen vorsichtig eingeführt und bekommt ziemlich gut und interessant geschildert, mit welchen Übungen sich das Team vorbereitet und wie das ganze Drumherum ist, was es zu beachten gilt und wer dort noch seine Finger im Spiel hat.
Das ganze Buch bleibt dabei eher technisch und hat keine In-die-Fresse-Spannung á la Star Wars oder Stargate zu bieten. Im Ganzen schreibt Peterson unglaublich flüssig, so dass man das Buch wirklich in einem Rutsch lesen kann. Man merkt ihm aber sehr deutlich an, dass er selbst aus ebendiesem Metier kommt und daher Ahnung von den ganzen Abläufen hat, die eine Raumfahrtmission so mit sich bringt.

Als jemand, der zwar Science-Fiction begeistert ist, aber nicht schon fünfzig Bücher in der Richtung gelesen hat, musste ich über ein zwei Begriffe hinweglesen, weil sie nicht sofort erschließbar waren. Dennoch beschreibt Peterson die Szenerie und den Ablauf auch für „Fachfremde“ sehr gut, so dass man nicht das Gefühl hat, ein halbes Physikstudium abschließen zu müssen, um Paradox zu lesen.

Das Ende
Für mich ist das Ende eines Buches immer besonders wichtig, daher soll es hier auch seine eigene Kategorie bekommen. Es war eines dieser Enden, die dem ganzen Buch nochmal einen feineren Schliff verpassen. Es war spannend, unerwartet und ging endlich in die Richtung, die man von einem Science-Fiction Buch erwartet. Allerdings war es an manchen Stellen etwas zu schnell und im Gegensatz zu den vielen vorherigen Kapiteln wenig erklärt. Auf der einen Seite passt es was die Figuren anging, aber vom Autor her hätte ich mir noch irgendetwas gewünscht, was die ganze Sache zum Ende hin abrundet. Ich kann leider nicht konkret sagen, was mir gefehlt hat – aber vom Gefühl her, war es noch nicht ganz passig.

Fazit

Alles in allem fand ich das Buch ziemlich gut. Das Ende hat es für mich wirklich nochmal etwas herausgerissen. Wenn mich jemand bei der Hälfte des Buches gefragt hätte, ob ich es empfehlen würde, hätte ich vermutlich mit Nein geantwortet. Es stand immer noch irgendwie ein wenig die Frage im Raum, wie sich das Ganze am Ende zusammenfinden soll und wo die Reise, im wahrsten Sinne des Wortes, überhaupt hingehen soll.
Das Ende war zwar gut, ich empfand es aber auch als etwas zu plötzlich abgehandelt und etwas zu abstrakt. Ich bin zwar Fan von untypischen Science-Fiction Ereignissen, wo man sich im ersten Moment denkt „Warte, was? Was ist da gerade passiert?“, aber das bin ich eher aus Serien und Filmen gewöhnt und nicht in Buchform – was nicht schlimm ist, für mich aber in diesem Moment gewöhnungsbedürftig.
Grace ging mir zum Ende hin etwas auf den Sack, weil sie mit dem Start der Helios super zickig wurde. Ganz am Ende, in den letzten paar Kapiteln, fand ich Wendy etwas sehr weinerlich. Auch wenn es eine nachvollziehbare Reaktion war (und ich mir vermutlich die Augen aus dem Kopf geheult hätte); die Beschreibung fand ich etwas hmpf… unbefriedigend. Ich meine, Wendy wurde vorher als starke, standfeste Frau beschrieben, die sich von Ed nicht aus der Ruhe bringen ließ, recht kritische Ansichten gegenüber der Gesellschaft hatte und dann heult sie am Ende fast die ganze Zeit. Ja, klar, auch starke Frauen dürfen weinen, das steht auf einem ganz anderen Papier. Aber mich stört eher die Beschreibung, als die Tatsache. Wenn das irgendwie Sinn ergibt.
Wo wir bei der Veränderung von Figuren sind: Ed hat sich auch verändert und irgendwie war mir seine Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Art recht sympatisch. Zum Ende hin aber wurde er etwas zu hysterisch, was manche Reaktionen angeht.

**Spoiler**

Dennoch fand ich die Idee, dass eine außerirdische Rasse, das Sonnensystem mit einer Sphäre umgeben hat und seit Menschengedenken die Menschen beobachtet sehr interessant. Bisher ist mir etwas in die Art noch nicht untergekommen und als sich David und Ed über das Fermi-Paradoxon und die Zoo-Hypothese unterhalten haben, schauerte es mich doch ein wenig. Daher fand ich dann ebendiese Entwicklung ziemlich cool und andersartig. Die beiden Ansätze werde ich sicherlich mal im Hinterkopf behalten und bei Gelegenheit mehr dazu lesen wollen.
Auch die Interaktion mit der künstlichen Intelligenz fand ich total spannend und die Dialoge waren sehr gut geschrieben! Hier hätte ich mir von Wendy vielleicht eine andere Reaktion erhofft. Statt, dass sie weinend in der Gegen herum sitzt (wie gesagt, verständlich im Angesicht des nahenden Todes), hätte ich gerade von ihr eine differenziertere und kritischere Sicht erwartet. Etwas wie die Feststellung, dass Menschen sich ja ebenso gegenüber Tieren im Zoo verhalten, wie es die außerirdische KI nun mit ihnen tut. Sie soll dabei nicht zynisch werden – das wäre eher Grace‘ Part gewesen – aber so wie sie zuvor beschrieben wurde, gehandelt und vor allem gesprochen hat, hätte ich mit so etwas an dieser Stelle von ihr gewünscht.

**Spoiler-Ende**

Im Endeffekt hat Peterson es aber geschafft, dass ich mir auch den zweiten Band kaufen werde, was vor allem seinem Schreibstil zu verdanken ist. Flüssig, klar, erwachsen. Das ist momentan genau das, was ich von einem Buch erwarte. Aber das ist noch einmal ein völlig anderes Thema.

Tatsächlich habe ich die Vermutung, dass es eine große Geschichte sein sollte und es nicht von ihm geplant war, diese auf zwei Bände aufzuteilen. Ich kann mir aber vorstellen, dass seitens des Verlags, des Lektorats oder wem auch immer, die Anmerkung kam, dass es für ein einziges Buch einfach zu viel Umfang ist und daher die Entscheidung fiel, zwei Bände zu drucken.

Wenn man das im Hinterkopf hat, dann ist die ganze Einführung im ersten Teil von Paradox anteilsmäßig auch gar nicht mehr so lang. 😉
Ich werde also beim Lesen und Beurteilen des zweiten Bandes eben dies berücksichtigen und versuchen, alles zusammen als ein großes Paket zu sehen und nicht als zwei, geplante und so geschriebene, Teile.

Wertung: 3,5 / 5